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Von der Schneggenburg zum Chalcherentobel

Schneggenburg Chalcherentobel Weinfelden wyfelder

«Fundstücke aus der Weinfelder Geschichte und Kultur» Nr. 2

Das Stöbern im Archiv führt zu Gedankenreisen und liefert Stoff für Erzählungen auf Spaziergängen. Ein Fundstück aus dem Bürgerarchiv erinnert wieder einmal an die Schneckenburg. Doch damit nicht genug.

Michael Mente

Wir befinden uns im Weinfelder Oberdorf. Wer den steilen Hohlweg, von der Kirchgasse und dem «Hofacker» herkommend, in Angriff nimmt, mag sich ausmalen, wie man sich früher auf diesem Weg abgemüht hatte. Ein alter Weg, Teil einer Landstrasse, die über den Ottenberg Richtung Konstanz geführt haben dürfte. Und man erinnert sich, dass es weiter ostwärts einen ähnlichen Weg gibt, ebenso steil, mühselig in die Erde gegraben. Jener führt zu einer Burg hin, der Neuenburg («Burgstock»). Zufall oder nicht, auch der Hohlweg führt zu einer der zahlreichen Weinfelder Burgstellen: zur «Schneggenburg».
Nie gehört? Kaum verwunderlich, die Burg ist schon lange verschwunden und der Flurname verblasst wie viele andere. Sie muss irgendwo auf dem Sporn gestanden haben, der sich vom Hohlweg bis zum heute als «Lauershof» (Untere Bühlstrasse 12) angeschriebenen Haus erstreckt. Der Name, den auch ein ab 1150 bis ins 14. Jahrhundert bezeugtes Adelsgeschlecht getragen hatte, könnte etwas mit der Bauweise der Anlage zu tun gehabt haben (Wendeltreppe); Genaueres weiss man nicht.
Der Weinfelder Lehrer und Lokalhistoriker Hermann Lei erwähnt in seiner Weinfelder Geschichte, dass man bis zu seiner Zeit auf kein Gemäuer, keine Ruinen, dieser Burg gestossen ist. Grabungen haben auch nie stattgefunden. Doch ein Fundstück aus dem Bürgerarchiv Weinfelden (BAW) lässt aufhorchen. Das scheint nicht immer so gewesen zu sein.

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Letzte Seite des Heftes von J.A. Keller, verfasst 1832 bis vermutl. 1837; BAW, ohne Signatur (Schachtel mit div. Manuskripten; Titel auf dem Umschlag des Heftes erwähnt, dass es sich um eine 1832 verfasste Darstellung der Geschichte der Neuburg handelt). Foto M. Mente

In einer Schachtel, die eine Sammlung nicht leicht lesbarer Handschriften enthält, habe ich diese Woche ein Heftchen entdeckt, in welchem ein A. Keller 1832 (bis vermutlich 1837) verschiedene geschichtliche und chronikalische Notizen sowie Begebenheiten festgehalten hatte. Auf der letzten Seite kommt er auf die «Schneggenburg», und er kann die Lage recht gut beschreiben, da er noch Spuren vorfindet!

Geniessen wir an dieser Stelle den originalen Wortlaut der kurzen Ortsbeschreibung, denn sie enthält Flurnamen, die nicht mehr allen geläufig sein dürften:

«Ein uralter Edelsitz laut noch vorfindlichen Spuren auf einem hervorstehenden Hügel allernächst ob dem Oberdorf hingebaut, morgenwert [= östlich] an den Tobeleinschnitt vom sogenanten Rüdenbächli, abendwerts [= westlich] mit Inbegriff des Hofaker Hügels an das Heyentobel und an das Badstuben Mülliwesen stossend, Miternacht [= nördlich] mit Inschluss Lauers Gut an den Straussberger Hoff …»
Weiter folgen einige Hinweise zu den Besitzern und einigen bekannten Schneggenburgern sowie die Vermutung, dass die Burg bereits vor den sogenannten Appenzellerkriegen, also 1405, nicht mehr existierte. Wer mehr über diese Edelleute wissen möchte, werfe einen Blick in Hermann Leis Weinfelder Geschichte (S. 24 f.).

Bei dem Verfasser des gefundenen Manuskripts, A. Keller «im Tobel», handelt es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um den Autor der 1864 erstmals erschienenen Weinfelder Chronik. Blättert man jenes mehrfach neu aufgelegte Werk durch, staunt man immer wieder über die Fülle an Material, das dieser Lehrer Johann Adam damals zusammengetragen hat.

Darum lässt nicht nur aufhorchen, dass er in diesem Heft aus dem BAW von Spuren der Burg im Gelände zu erzählen vermag, sondern auch noch auf weitere Namen hinweist: Im Text lesen wir, davon höre ich an dieser Stelle zum ersten Mal, dass hier Kalcheren, Herrschaften aus Konstanz zwischen 1300 und 1400 eigentumsberechtig (wohl Lehensnehmer des Gutes) waren. Bemerkenswert auch Kellers Hinweis, dass das heute noch so genannte Richtung Weerswilen liegende «Chalchertobel» von diesen Leuten den Namen haben soll.

Die Flurnamenforschung verbindet solche Namen sonst eher mit Kalk – doch, wer weiss. Ein Spaziergang durch jenes «Chalchertobel» lohnt sich jedenfalls. Es ist die Verlängerung des «Löölitobels» auf einer schönen Wanderroute zwischen Weerswilen und Weinfelden. Und wenn wir schon mal da sind: Oberhalb Weerswilen finden wir die bis heute unerforschte Burgstelle «Weerstein». Doch davon ein ander Mal. Der Burgstellen in Weinfelden sind noch einige …

«Schnäggeburg beim Chalchertobel» – Karte: geo.admin.ch – Bundesamt für Landestopografie

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Das «Chalchertobel» mit der 2002 von Zimmerlehrlingen erstellten Holzbrücke. Foto: M. Mente

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Der «Lauershof» heute. Auf dieser Seite bis zum Sporn über dem Hohlweg dürfte irgendwo die «Schneggenburg» gestanden haben. Foto: M. Mente

michael mente weinfelden wyfelder thurgau

Michael Mente – ist Historiker, Archivar, Autor verschiedener Bücher und Beiträge und arbeitet derzeit in der Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Er ist in Weinfelden aufgewachsen und schreibt für den Wyfelder seit Start. In der Reihe «Fundstücke aus der Weinfelder Geschichte und Kultur» erzählt er uns zudem in loser Reihenfolge durch «sein» Weinfelden spazierend von unserem Städtchen.

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4 Kommentare zu „Von der Schneggenburg zum Chalcherentobel“

  1. hallo Hr Mente,der Hof Schneggenburg gehörte doch um 1500 herum meinen Urahnen, den Bornhauser und ging in einem Erbstreit verloren.

    Gruss: Gerold Th Bornhauser.

    1. Lieber Herr Bornhauser
      Vielen Dank für den Hinweis. Das kann natürlich durchaus sein. Vermutlich ist mit dem „Hof Schneggenburg“ der „Lauershof“ gemeint? Gemäss Kataster-Einträgen ist dort anfangs 19. Jahrhundert ein Melchior Bornhauser noch (Mit-)Eigentümer. Weitere Umstände habe ich nicht angeschaut und mir ist nicht bekannt, ob es noch weitere Höfe in diesem Zusammenhang gab.
      Der Band in der Reihe „Kunstdenkmäler im Thurgau“ ist aktuell in der Denkmalpflege in Arbeit. Wenn Sie also mehr wissen wollen und ob der besagte Hof bzw. die Geschichte der Güter auf dem Gebiet der Schneggenburg auch beschrieben wird, würde ich Ihnen empfehlen, dort einmal anzufragen.
      Herzliche Grüsse, Michael Mente

  2. Lieber Herr Bornhauser
    Vielen Dank für den Hinweis. Das kann natürlich durchaus sein. Vermutlich ist mit dem „Hof Schneggenburg“ der „Lauershof“ gemeint? Gemäss Kataster-Einträgen ist dort anfangs 19. Jahrhundert ein Melchior Bornhauser noch (Mit-)Eigentümer. Weitere Umstände habe ich nicht angeschaut und mir ist nicht bekannt, ob es noch weitere Höfe in diesem Zusammenhang gab.
    Der Band in der Reihe „Kunstdenkmäler im Thurgau“ ist aktuell in der Denkmalpflege in Arbeit. Wenn Sie also mehr wissen wollen und ob der besagte Hof bzw. die Geschichte der Güter auf dem Gebiet der Schneggenburg auch beschrieben wird, würde ich Ihnen empfehlen, dort einmal anzufragen.
    Herzliche Grüsse, Michael Mente

    1. lieber Herr Mente.
      Die Schneggenburg war laut Familienbuch ein Hof wo einst die früh abgegangene Burg gleichen Namens stand. Der Besitzer war Sigmund Bornhauser welcher das Haupterbe Hof Schneggenburg an seine Kinder der dritten Ehe vermachte . (Lauers Gut , Handlehen der Komturei Tobel) .

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