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Biodiversität erstmals erfasst

Biodiversität auf Schweizer Landwirtschaftsflächen Weinfelden Wyfelder

Biodiversität auf Schweizer Landwirtschaftsflächen erstmals erfasst

Zürich-Reckenholz, 19.04.2021 – Viele Pflanzen- und Tierarten sind auf landwirtschaftlich geprägte Lebensräume angewiesen. Wo und wie häufig kommen welche Arten in der Agrarlandschaft vor? In welchem Zustand sind deren Lebensräume? Sind die getroffenen Massnahmen wirksam? Das Biodiversitätsmonitoring-Programm «ALL-EMA» von Agroscope erfasst die Arten- und Lebensraumvielfalt in der Schweizer Agrarlandschaft. Dies ist die Grundlage, um den Zustand von Lebensräumen zu verstehen, von denen die landwirtschaftliche Produktion stark abhängt. Erste Resultate zeigen, dass in tieferen Lagen (Tal- und Hügelzone) die Arten- und Lebensraumvielfalt deutlich niedriger sind als in höheren Lagen (Bergzonen).

Was haben Blutwurz, Schachbrettfalter und Bergpieper gemeinsam? Diese Arten kommen in der Schweizer Agrarlandschaft häufig vor. Leider trifft dies nicht für alle Arten zu, die landwirtschaftlichen Lebensraum nutzen. Beispielsweise haben die Bestände von Bärenwurz, Weissdolch-Bläuling und Braunkehlchen so stark abgenommen, dass sie zu den bedrohten Arten gehören.

Tal- und Hügelzone artenärmer als Bergzone
Das Programm «ALL-EMA» («Arten und Lebensräume Landwirtschaft – Espèces et milieux agricoles») liefert im Fünfjahresrhythmus repräsentative Daten zur Qualität der Lebensräume und zum Vorkommen von Pflanzen, sowie – in Zusammenarbeit mit dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz – von Tagfaltern und Vögeln. Die ersten Resultate belegen, dass in tieferen Lagen (Tal- und Hügelzone) die Arten- und Lebensraumvielfalt deutlich niedriger sind als in höheren Lagen (Bergzonen). Aufgrund der naturräumlichen Begebenheiten wäre das Gegenteil zu erwarten: In tieferen Lagen müssten mehr Arten vorkommen als im Gebirge, wo die Bedingungen für viele Lebewesen zu unwirtlich sind. Zahlreiche Studien zeigen, dass die intensive menschliche Nutzung der Landschaft im Tiefland die Ursache für diese Situation ist.

Die Massnahmen wirken – aber nicht ausreichend
Alle Landwirtinnen und Landwirte, die Direktzahlungen beziehen, bewirtschaften einen Teil ihres Landes als Biodiversitätsförderflächen. Damit soll ein weiterer Rückgang der Biodiversität verhindert werden. Die Forschenden von Agroscope untersuchten die Unterschiede in der Arten- und Lebensraumvielfalt zwischen diesen Förderflächen und Kontrollflächen ohne Fördermassnahmen. Sie stellten generell eine höhere Arten- und Lebensraumvielfalt auf den Biodiversitätsförderflächen fest, doch variiert der Unterschied je nach Höhenlage. In tieferen Lagen ist die Biodiversität auf Förderflächen deutlich höher als auf den Kontrollflächen, was zeigt, wie wichtig die Massnahmen sind. Jedoch gibt es nicht genug qualitativ hochwertige Flächen, um grossflächig die Arten- und Lebensraumvielfalt zu fördern. Im Berggebiet ist der Unterschied zwischen Biodiversitätsförderflächen und Kontrollflächen geringer und der allgemeine Zustand der Biodiversität besser. In den unteren Bergzonen hingegen unterscheiden sich einige Werte kaum von denjenigen in tieferen Lagen.

Ursachen kennen, um Massnahmen zu treffen
Im «ALL-EMA»-Bericht zum Zustand der Biodiversität in der Schweizer Landwirtschaft wurden die Ergebnisse aus dem ersten, fünfjährigen Erhebungszyklus zusammengefasst. Einige davon flossen bereits als Massnahmen zur Verbesserung der Qualität von Biodiversitätsförderflächen in die Weiterentwicklung der Agrarpolitik ein, indem die Anforderungen für die Biodiversitätsförderflächen verbessert werden sollen.

Inzwischen wurde mit der Zweiterhebung begonnen, um die zeitliche Entwicklung beurteilen zu können. Künftig werden die «ALL-EMA»-Forschenden stärker auf die Ursachen für den Rückgang der Biodiversität fokussieren. Damit können die aktuellen Massnahmen zur Förderung der Arten- und der Lebensraumvielfalt besser beurteilt werden. Dies wiederum ermöglicht es, effektivere und effizientere Massnahmen zur Biodiversitätsförderung zu ergreifen. Damit Bärenwurz und Braunkehlchen auch in Zukunft in der Schweiz eine Lebensgrundlage haben.

Hintergrundinformationen zu ALL-EMA
Das Monitoring-Programm «ALL-EMA» («Arten und Lebensräume Landwirtschaft – Espèces et milieux agricoles», www.allema.ch) entstand im Auftrag der Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU) mit dem Ziel, die Arten- und Lebensraumvielfalt in der schweizerischen Agrarlandschaft zu fördern. Mit «ALL-EMA» lässt sich aus der systematischen Beobachtung der Biodiversität auch schlussfolgern, wie die biodiversitätsfördernden Massnahmen optimiert werden können. Die drei Forschungsbereiche sind:

1)    systematische und periodische Erfassung von Zustand und Veränderung in der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Agrarlandschaft gemäss der Umweltziele Landwirtschaft

2)    Beurteilung von Zustand und Veränderung in der Arten- und Lebensraumvielfalt der Biodiversitätsförderflächen

3)    Analyse und Bereitstellung der Daten, um aktuelle und zukünftige Fragen bezüglich Arten- und Lebensraumvielfalt in der Schweizer Agrarlandschaft zu beantworten

«ALL-EMA» ergänzt die Monitoringstrategie des Bundes um den Schwerpunkt «Agrarlandschaft», so dass Synergien entstehen mit den Schwerpunkten «Normallandschaft» (www.biodiversitymonitoring.ch), «Inventarflächen» (biotopschutz.wsl.ch) und mit den Agrarumweltmonitoring (https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/nachhaltige-produktion/umwelt/agrarumweltmonitoring.html).

Adresse für Rückfragen
Eva Knop
Agroscope, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich

Mediendienst Agroscope
Schwarzenburgstrasse 161, 3003 Bern
media@agroscope.admin.ch
Tel. +41 58 466 88 62

Herausgeber
AGROSCOPE
www.agroscope.admin.ch 

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