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Bauen in Zeiten des Klimawandels: Kleine Fenster und kühle Innenhöfe

Achim Kayser vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau betonte die Wichtigkeit einer „gelebten Kreislaufwirtschaft“, um einen weiteren Schritt in Richtung klimaneutrales Bauen gehen zu können.

Der Schweizerisch Ingenieur- und Architektenverein Sektion Thurgau setzt seine öffentliche Vortragsreihe „Klima + Bauen“ fort. In der jüngsten Ausgabe zeigt es sich, dass dem verdichteten Bauen eine grosse Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel zukommt.

Einmal im Quartal stellen Fachleute in den Schulungsräumen der Raiffeisenbank Mittelthurgau in Weinfelden zwei Fachthemen vor, bei denen stets eine Frage unausgesprochen mitschwingt: Wissen Architekten, Ingenieure und Bauherren überhaupt, welche baulichen Herausforderungen im Rahmen des Klimawandels auf sie zukommen? Dabei wird darauf geachtet, dass die Inhalte ebenso interessant wie auch verständlich vermittelt werden. Fachchinesisch bleibt aussen vor, so dass auch interessierte Laien engagiert und kritisch mitdiskutieren können.

Christian Kaiser betonte, dass die Art, wie bis anhin in der Schweiz gebaut wurde, zunehmend kontraproduktiv sei. Denn grosse Fensterflächen seien in den Zeiten des Klimawandels nicht mehr gefragt.

Laien sollen mitdiskutieren

Gerade die Wichtigkeit des letzten Punktes betonte Organisator Roland Hollenstein beim Auftakt zur neuen „Klima + Bauen“-Runde. „Hier sollen sich nicht nur Planer und Architekten treffen, sondern auch interessierte Private. Denn nur durch einen breiten Wissenstransfer können wir es schaffen, dass sich in unserer Gesellschaft ein Bewusstsein für die Dringlichkeit eines klimafreundlichen Planen und Bauen entwickelt. Und genau das ist es, was wir in der Zeit des sich beschleunigenden Klimawandels dringend benötigen“, so Roland Hollenstein. Moderator, Marco Baumann, dampfte die Herausforderungen für Private und Planer auf eine einfache Frage ein: „Was können wir in unserem Umfeld tun, damit die Klimakurve in naher Zukunft nicht allzu steil ausfällt“?

Bauen wir bald wie in Marokko?

Christian Kaiser von der Friedlipartner AG, Zürich, zeigte auf, was „verdichtetes Bauen“ in Zeiten des Klimawandels in den unterschiedlichsten Gegenden (Stadt, Agglomeration, Land) bedeuten könne. Er räumte aber ein, dass eine klimataugliche Bauweise oft nicht den bisherigen Lebensgewohnheiten vieler entspräche. Die Art wie in Marokko traditionell gebaut werde – verdichtet, kubisch, mit wenigen Fenstern nach aussen, dafür mit einem kühlen Innenhof, in dem am Abend gelebt wird -, wäre auch für die Hitzesommer hierzulande zunehmend ideal. Doch in der Schweiz werde bis heute nach dem Motto „je mehr und grösser die Fenster, umso besser“ gebaut. Dies sei bei 30 bis 40 Grad im Schatten aber mitnichten optimal. Das Thema „Verdichtetes Bauen“ werde global immer wichtiger werden, denn „die Weltbevölkerung wächst und die Meeresspiegel steigen, was zu weiterem Dichtestresse führt, denn irgendwo müssen die Menschen ja hingehen“. Die Lösung könne also nur „Verdichtung statt Flächenfrass“ heissen. Doch damit seien „Konflikte vorprogrammiert, denn die Menschen sind in den letzten Jahren vieles geworden – nur nicht toleranter“, so Kaiser.

Moderator Marco Baumann (links) und Referent Achim Kayser im Gespräch

Vermehrt Recycling-Baustoffe verwenden

Achim Kayser von der Abteilung Abfall und Boden des Amt für Umwelt des Kantons Thurgau erklärte, dass die Emissionen aus Deponien und Abwasserreinigung zwar schweizweit „nur“ vier Prozent der Gesamtmenge ausmache. Doch rechne man die Emissionen der 30 KVA dazu, so steige die Zahl auf sieben Prozent, was „ein bisschen mehr als unbedeutsam ist“. Gehe es nach ihm, so sollten möglichst wenig Bauabfälle verbrannt werden, denn „so sparen wir Treibhausgasemissionen ein“, so Kayser. Bei den Abfällen stammt rund die Hälfte aus nichtfossilen, biogenen Stoffen wie Holz. Besonders beschäftigt die Abfallwirtschaft jedoch das Recycling von alten (Bau-)Stoffen wie Zement. Er wünsche sich von Planern eine grössere Offenheit, wenn es darum gehe, mit Recyclingmaterialien zu bauen. Dadurch liessen sich zum hochwertige Primärstoffe einsparen und durch eine gelebte Kreislaufwirtschaft bis zu 15 Prozent der Materialien erneut nutzen.“ Geschehe dies in Zukunft öfter, so könne man einen weiteren Schritt in Richtung „klimaneutrales Bauen“ gehen, so Kayser.

Text und Foto: Christof Lampart

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